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Fields of Ideas – Der deutsche Pavillon


Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft eröffnete Dietmar Schmitz (Bild, Mitte), der Leiter des Referats Messepolitik und EXPO-Beteiligung den deutschen Pavillon. Realisiert wurde er von einem bewährten Team, welches sich aus der  Messe Frankfurt Exhibition GmbH, (Management, Controlling und die Administration), SCHMIDHUBER, München (räumliches Konzept), Milla & Partner, Stuttgart (inhaltliche Konzept Ausstellungs- und Mediengestaltung)  und Nüssli (Aufbau und bauliches Projektmanagement) zusammensetzte. Technische Neuerungen der Universität Stuttgart, die ein völlig neues Kommunikations-Tool entwickelt hat, sollen nicht unerwähnt bleiben. Kein Wunder wenn aus diesem Arbeitskreis eine Losung erarbeitet wurde: Architektur wird Landschaft, Landschaft wird Architektur. Dazu kann man stehen wie man will. Im Falle der hier gezeigten Ausstellung ist dies durchaus gelungen. Als erstes Beispiel sei hier nur ein „Solartree“ zu nennen, eine Entwicklung der Uni Stuttgart, die im gesamten Pavillon stehen und für Energie sorgen wird.

Entstanden ist ein Pavillon, der  mit seiner Länge von 150 Meter, 40 Meter Breite und 12 Meter Höhe insgesamt 16.000 Besucher pro Tag im  35 Minuten Rhythmus aufnehmen soll. Um dies zu erreichen, bedurfte es eines besonderen Konzeptes. Dafür stand der ARGE 4913 Quadratmeter zur Verfügung von denen 2680 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind. Um die in EXPOS übliche Warteschlangen so gut wie möglich minimieren zu können, stehen dadurch vor dem Pavillon genügend Fläche zur Verfügung in dem sich die Besucher verweilen und erholen können. So hat man gleich zwei unterschiedliche Wege erarbeitet.. Der erste, frei zugängliche breite Rampenweg führt direkt aufs Dach, welches natürlich reich bepflanzt ist und als „frei begehbare Landschaft“ konzipiert ist. Durch die „sanft ansteigende Landschaftsebene bis auf einer Höhe von 10 Meter, mit einer frei zugänglichen Oberfläche, wird auch ein Blätterdach entfaltet, welches bei schlechtem Wetter oder heissen Temperaturen als Schutz dient. Die Durchlässigkeit und natürliche Durchlüftung der  textilen Blätter mit ihrer Lamellenstruktur, sind Teil eines einfachen aber wirksamen Klimakonzeptes, das in Kombination mit Energieeffizienten Technologien für behagliche Temperaturen unten im Ausstellungsgelände sorgt. Der moderne Stahl -und Membranbau ermöglicht dadurch eine extrem leichte Bauweise. Es verbindet auch Aussenraum und Innenraum, bzw. die landschaftliche Architektur mit der Ausstellung im unteren Bereich. Diese „schwebende „Blätter“, die die Landschaft überdacht, ohne sie zu verdecken, soll beim Besucher ein unverwechselbares Bild erzeugen. Die Flure und Felder sind umrandet und verwandeln sich in ein begehbares "Holzdeck". Holz, hier verwendete man heimische Hölzer, ist da nicht nur Sympathieträger, sondern zeugt vom bewussten Umgang nachwachsener Rohstoffe mit ausgeglichener CO2-Bilanz. Der obere "Dach-Teil" soll also zur Erholung und Verweilen dienen. Durch sogenannte „Pflanzlöcher“ ist von da auch ein Blick in die eigentliche Ausstellung möglich. Am obersten Punkt des Daches hat man einen phantastischen Ausblick, über das gesamte EXPO-Gelände, zum EXPO-See, zur Stadt Milano und an wenigen Tagen auch zu den Alpen. Letzteres wird allerdings bedingt durch die besonderen klimatischen Bedingungen rund um Milano eher theoretisch möglich sein. Für deutsche kulinarische Spezialitäten soll auch hier gesorgt sein. Der Starkoch Alfons Schuhbeck war beispielsweise in den ersten Tagen bereits gesichtet worden

Der zweite Weg des deutschen Pavillons verläuft an 7 Stationen vorbei, die im Inneren des Pavillons angelegt sind. Darin will Deutschland Ideen und Lösungen zum Thema zeigen, um schlussendlich zur spektakulären Show „Be(e) active“ zu gelangen.

Zunächst betrachtet  aber der Besucher sogenannte Container, die an der Außenwand angebracht und integriert sind, in denen erste Einblicke des Pavillons, aber auch innovative Forschungsprojekte aus Deutschland vorgestellt werden.

Insgesamt 7 Mantelthemen mit sage und schreibe 109 Unterthemen werden im deutschen Pavillon behandelt, vorgestellt und auch interaktiv „erlebt“. Möglich wird dies mit einem neuartigen Medium, dem „Seed Board“ welches so einfach wie genial sein soll. Im Grunde ist es ein quadratische Stück Pappe, beschichtet mit einem Spezialpapier, auf dem  allerhand Themen projeziert werden können. Sieben Themen bedeuten auch sieben unterschiedliche Räume, Atmosphäre, Lichteinflüsse und Temperaturen. Es zeigt der Werdegang eines Lebensmittels vom Anfang bis zur Entsorgung, sei es Kompostierung oder Müllverwertung. Jedes Thema hat seinen eigenen Raum, seine eigenen Stationen, die man mit dem SeedBoard aktivieren kann.


Station Wasser

Am Anfang ist das Wasser. Der Besucher betritt einen dunklen blauen Raum, der die Bedeutung dieses Elementes für die Natur und damit auch für die Ernährung aufzeigt. Es werden aber auch neuartige technologische Wege aufgezeigt wie: Rückgewinnung von Phosphor als essentieller Pflanzennährstoff, oder die trinationale Zusammenarbeit beim Gewässerschutz am Beispiel des Bodensees als eines der größten Trinkwasserreservoirs Europas, sowie nachhaltige Wasser-und Stoffkreisläufe im urbanen Raum am Beispiel der Großstadt Hamburg.. Zusätzlich kann der Besucher mittels kleiner Stationen, und dem „Seed Board“ weitere Informationen erfahren.


Station  Boden

Ein Bilderbuch-Biobauer als Botschafter der Landwrtschaft, führt die Besucher in einem noch dunkleren Raum in denen logischerweise Erdtöne dominieren. Eine Vielzahl miteinander verbundener Raumobjekte zeigt den komplizierten wie auch perfekten Organismus „Boden“ als die grundlegende Voraussetzung der Welternährung. Es werden der logische und optimale Einsatz von Fruchtfolgen in der Landwirtschaft gezeigt, Agroforstwirtschaft als Schutz vor Bodenerosion und Stabilisierung des Wasserhaushaltes vorgestellt und andere Voraussetzungen für fruchtbare Böden aufgezeigt. Auch hier sorgt das „Seed Board“ für die notwendige interaktive Information. Insgesamt eine sehr gelungene Vorführung, auch wenn die  EXPO-Besucher einen etwas merkwürdigen Eindruck der deutschen Landwirte haben dürften.


Station Klima

In diesem Raum geht es bewegt zu. Wolken ziehen vorbei, eine Wetterkarte wird durch Linien angedeutet, das Verhältnis zwischen Hochs und Tiefs, zwischen Warm- und Kaltfronten erklärt. Auch hier scheint sich Natur und moderne Technologien zu verzahnen. Als Beispiel seien hier nur die Agrophotovoltaik, also die gemeinsame Nutzung von Flächen Energie und Landwirtschaft (Fraunhofer Institut, UNI Hohenheim), sowie die Offshore/Aquakultur, eine Kombination aus Fischzucht und Windenergie (Alfred Wegener Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung genannt).


Station Artenvielfalt

Selbst die lange Entwicklung schier unendlich vieler Arten von Lebewesen oder Pflanzen auf unserer Erde, die nicht zuletzt einen Kreislauf bilden, ohne dem kein Leben möglich wäre, werden hier eindrucksvoll erklärt. Stellvertreter dieser Tiere ist die Biene, die man im deutschen Pavillon überall sieht. Doch auch Pflanzen werden eindrucksvoll erklärt. Die Besucher können in verschiedenen Samen einsehen, die von der Genbank Gatersleben, eine der weltweit größten Genbanken für Kulturpflanzen (Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung) stammen. Ebenso wird der Erhalt und Schutz der genetischen Vielfalt von Nutztieren am Beispiel bedrohter Rassen aufgezeigt. Auch hier sind interaktive Schaubilder und Stationen so aufgestellt, dass das Interesse an Informationen gesteigert wird.


Station Lebensmittel

Folgerichtig gelangt man von der Forschung in die Produktion von Lebensmittel. Landwirtschaftliche Lebensmittel,  wie sie produziert werden,  welche Bedeutung sie unserem zukünftigen  Leben haben werden. Diese Fragen werden in einem hohen imposanten Raum beantwortet, in dem sich in der Mitte eine Wendeltreppe nach oben windet und drum herum große Regale voller symbolischer Nahrungsmittel angebracht sind. Sie zeigen wie vielfältig der Lebensmittelmarkt geworden ist, wieviele Produkte in Deutschand produziert werden. Doch auch der Müll aus Verpackungen und Reste hat man um eine Wendeltreppe plaziert um ein weiteres modernes Problem behandeln zu können. Hier soll auf die Müllvermeidung und auf die sorgsame Resourcenschonung aufmerksam gemacht werden. Die Wendeltreppe führt zum „Garten der Ideen“

Dieser Raum ist voll im Tageslicht eingetaucht und beeindruckt mit einem bunten lebendigen Garten. Dort findet man ansatzweise Ideen verschiedener städtischer Gartenbauprojekte.


Mit „Mäh“ und „Muh“, auf du und du

Wenn man sich nach ca. 35 Minuten hoch „zur Show“ gearbeitet hat, verwandelt sich das SeadBoard in einem einem simplen Instrument. Die Show „Be(e) active“ soll die Menschen, mitreißen, unterhalten und zum Mitmachen überreden. In einem dunklen Raum ist eine Kanzel in der Mitte angebracht, auf der zwei junge Musiker, die sogenannten „BeeJs“ als Animateure mit Gitarre und Mikrofon, Einfluss auf die Show haben, während über ihnen zwei Seilroboter mit Bildschirmen, die die Formen von Bienenaugen haben, über die Köpfe der Besucher schweben und Szenen aus deutschen Landen aufzeigen. Die Geräusche die die Protagonisten den Zuschauern entlocken und musikalisch begleiten passen freilich, wie zufällig, zu dem Film der beiden „Bienenaugen“ „Deutschand aus den Augen fliegender Bienen“ soll das Ganze sein und lebt sehr stark von den Ideen der jungen Künstler. Das kann sehr lustig sein und auch unterhaltsam, doch ob der Funke bei dem gemischten Publikum, welches von dem Informationsfluss noch beansprucht ist, ankommt, muss bezweifelt werden. Weder bei der Generalprobe als auch bei den ersten Shows sprang der Funken über.. Für die Künstler ist dies eine ziemlich anstrengende Aufgabe wie Herausforderung, wird diese 13 minütige Show doch im 20 Minuten-Takt wiederholt. Deshalb wurden gleich mehrere Teams ausgebildet, was völlig individuelle Shows garantieren. Die Idee mit den Bienen, ohne die es eine Landwirtschaft nicht gäbe, ist aber zwingend wie clever, den Seilrobotern vom „Institut für Numerische Technik“ (ITM), bzw. „Institut  für Steuerungstechnik von Werkzeugmaschinen“ (ISW) der Universität Stuttgart, sei Dank.

Wer nach einem ca 45 minütigen Besuch mit gewaltigen Informationsstürmen noch nicht genug von Deutschland hat, der kann sich  in den beiden Restaurants, in denen turnusmäßig die bekanntesten deutschen Sterneköche ihre Künste zeigen,  überzeugen. 

Der deutsche Pavillon geizt nicht mit Superlative, Perfektion und Innovation.  Bei so vielen Informationen wünscht man sich ein Guide oder ein anderes Medium, in mehreren Sprachen, um das Gelernte zu Vertiefen. Denn wer will die 108 Unterthemen in 7 Stationen in so kurzer Zeit in sich aufnehmen und merken? Nachzutragen sei, dass am 18. Juni, dem „Deutschland-Tag“ auf der EXPO prominenter Besuch sich ankündigt. An diesem Tag wird Bundespräsident Gauck den deutschen Pavillon und sicher auch die EXPO besuchen.

Fortsetzung hier


Text: Bernhard Veith, Bilder:Pascal Schöpflin.  Ein ausführlicher Artikel folgt.

Wichtig: Da mittlerweile der Bilderklau von dieser Seite immer weiter zunimmt (z. B. ebay Nutzer und andere Seiten), muss

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Der deutsche Pavillon in Kürze

Thema

Fields of Ideas

Pavillongrundstück

4.913 qm

Ausstellungsfläche

2.680 qm (ca. 140 m x 20 m)

Gebäudehöhe

12 Meter

Fläche Membranen

1.855 qm

Personal

250 Personen (davon 100 P. in Gastro )

Besucherkapazität

pro Tag:  16.000 Personen,

Gesamt: 3 Millionen Personen d.h. Anteil von ca 8,5%

Verweildauer

mit Show bis zu einer Stunde

ohne Show 30 – 45 Minuten

Anzahl der Shows

bis zu 10.000 Shows

Verantwortlich

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Leitung

Dietmar Schmitz (BMWi)

Projektmanager

Markus Weichert

Durchführung

Messe Frankfurt

Konzept

ARGE Deutscher Pavillon EXPO Milano

Architektur und Planung

Schmidhuber, München

Inhaltliches Konzept

Milla und Partner, Stuttgart

Projektmanagment und Bauleister

Nüssli




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