Archiv

Mobil trotz Handicap


Bernhard Veith (Text), Pascal Schöpflin (Text und Fotos)


Dieses Archiv beinhaltet Fahrzeugtests von älteren Fahrzeugen mit oder ohne Fahrhilfen die aus dem Jahre 2018 oder früher hergestellt wurden. Sie werden hier alphabetisch aufgelistet.










 




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BMW 540i x Drive Touring

Mobil trotz Handicap

Bernhard Veith

Pascal Schöpflin

















Allgemeines

BMW stellte uns einen Testwagen der Version BMW 540i x Drive Touring aus dem Modelljahr 2019 zur Verfügung. Das Fahrzeug ist in der Oberklasse angesiedelt und ist für die Belange  Behinderte her angemessen. Der kleinere BMW 3er ist sogar in der Touring-Version leider etwas zu klein, um Behinderten einen tadellosen Einsteigekomfort zu bieten. Aus diesem Grunde entschieden wir uns für dieses Fahrzeug.

Unser Testfahrzeug hatte teilweise Elemente der M-Performance eingebaut. Natürlich wird der BMW in dieser Version für unser Klientel weniger eine Rolle spielen, doch mit einer etwas schwächeren Motorleistung und Ausstattung zeigt er dennoch was er kann, und das ist eine Menge. Das knapp 5 Meter lange und 1,50 Meter hohe Fahrzeug gibt es bereits als 520i mit 184 PS.

Der 6 Zylinder- BMW 540 i x-Drive leistet 340 PS was man auch am kräftigem Motorgeräusch erkennt. Durch Wechseln des Fahrmodus verwandelt er sich vom luxuriösen Familienfahrzeug zu einem leidenschaftlichen sportlichen Wagen, was man leider auch am erhöhten Verbrauch merkt. Auf der Landstrasse konnten wir einen Verbrauch unter 6 Liter messen, bei schnelleren Fahrten im Sportmodus sind es durchaus bis zu 9,5 Liter.  

 

Fahrbericht

Behinderte Fahrer können in dem 1,50 Meter hohen Fahrzeug überraschend gut einsteigen. Das Fahrgefühl war exzellent, was selbst auch bei grosse Geschwindigkeiten ein höheres Sicherheitsgefühl auslöst.


Auch bei langen Fahrten fühlt man sich als Fahrer in den bequemen Sitzen wohl und beschwerdefrei.


Die Bedienelemente sind hochwertig und übersichtlich angeordnet.

Die Suchfunktion des Multimediasystems ist etwas umständlich und benötigt entsprechend etwas Übung. Tatsächlich hat man als Fahrer einen „ausgezeichneten“ Überblick und kann auf alle Systeme „blind“ vertrauen. Der Fahrersitz war dank elektrischer Sitzverstellung sofort so eingestellt, wie der Fahrer ihn benötigt.


Bericht der Beifahrer:

Der behinderte Beifahrer war anfangs skeptisch, in so ein niedriges Fahrzeug einzusteigen. Doch mit ein bisschen Übung hat auch ein gehbehinderter Beifahrer keine Probleme beim Einstieg. Auch während längeren Fahrten gab es keinerlei Probleme, wenn man Anfangs den Sitz so einstellt wie er vom jeweiligen Invaliden benötigt wird.


Bericht der „Mitfahrer“


Wie es genau funktioniert haben wir auch nicht feststellen können. Das Einsteigen in den hinteren Türen war für Behinderte teilweise sogar einfacher als vorne, weil man die C-Säule als Einstieghilfe mit benutzen kann, die praktisch angebrachten Dachgriffe halfen ebenfalls. Die Beinfreiheit ist für einen  1,80 Meter grossen Mitfahrer mehr als ausreichend und luxuriös. Der BMW 5er Touring  verfügt über 5 Sitze, wobei die Rückenlehne des schmalen Sitzes in der Mitte als Armlehne mit Becherhaltern und Ablagefach umklappbar ist. In der hinteren Reihe wird es durch die je Sitz individuell einstellbare Klimaanlage noch luxuriöser.  



Die Fahrpraxis

Alle vorgesehenen Fahrten hatte der BMW 540i X-Drive mühelos absolviert, sogar im Schnee machte er eine gute Figur. Das gleiche gilt auch auf unwegsamen Landwegen. Der Kofferraum ist sehr geräumig und hatte eine Raumaufteilung in der man auch kleinere Dinge rüttelfrei verstauen konnte. Unser Rollstuhltest wurde problemlos gemeistert. Die elektrische Heckklappe erweist sich für Behinderte als besonders praktisch, da sich die Heckscheibe separat öffnen lässt. Es ist praktisch kleine Dinge durch das Fenster zu verstauen, ohne den gesamten Kofferraum öffnen zu müssen.

 

Fazit

Der BMW 540 i x Drive Touring in der Übersicht


Vorteile:

  • Hohe Qualität in der Verarbeitung
  • Luxuriöse Inneneinrichtung mit wertigem Lederbezug
  • sportliche Note, auf Wunsch schaltbar
  • vermittelt hohe Fahrsicherheit
  • Armaturen übersichtlich und aufgeräumt
  • Gute Assistenzsysteme, sehr gute Kameras insbesondere Rückfahrkamera
  • Luxuriöse Beinfreiheit für alle Insassen

 

Nachteile:

  • Viele hochwertige Systeme nur gegen Aufpreis

Testwagen mit Sonderausstattungen.

 

 









Skoda Kodiaq

Mobil trotz Handicap

Bernhard Veith (Text), Pascal Schöpflin (Text und Fotos)






 
















Allgemeines

 

Bären sind Sinnbild für Stärke, der Kodiakbär ist der größte, stämmigste schwerste und längste, aber auch schnellste und wendigste aller Bären. Eine besondere Art von "Kodiakbären" lässt seit einigen Monaten Skoda auf ihre Käufer los. Und das ganz legal.  Den Skoda Kodiaq. Wir konnten ihn noch 2016 auf dem Genfer Autosalon als Konzeptfahrzeug bestaunen und waren zwar begeistert, aber auch skeptisch, ob das Serienfahrzeug das halten könne, was auf der GIMS versprochen wurde. Um es vorweg zu sagen:  Dieses SUV-Fahrzeug vereint alle oben genannten Eigenschaften, wie Stärke, Schnelligkeit und Wendigkeit.

 

Das Fahrzeug

Mit dem SKODA KODIAQ Style 2,0l TDI (140kW mit 7-Gang-DSG und 4x4) stellte uns der Hersteller den stärksten Vertreter zur Verfügung. Die 190 PS starken Motoren des VW-Konzern, werden zwar auch in anderen Autos verbaut (u.a. im VW Tiguan) jedoch passt der Motor zu dem äußerst gelungenen, geräumigen aber auch mit knapp 2 Tonnen schweren Fahrzeug ideal. Es gibt den Kodiaq auch als 1,5 l Diesel mit 150 PS. Wer einen Benziner bevorzugt kann Motoren zwischen 125 PS und 190 PS wählen. 125 PS erscheinen uns aber für solch ein Fahrzeug zu schwach. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen zwischen 189 km/h und 220 km/h. Bei allen Motoren ist Allradantrieb optional, die Fahrzeuge mit den beiden stärksten Otto- bzw. Diesel-Motoren haben ihn serienmäßig.

Der Skoda Kodiaq besticht äußerlich durch seine starken Kanten und sieht daher besonders schnittig und sportlich aus. Mit einer Länge von knapp 4,70 Meter ist er kürzer als ein Kombi, obwohl er als Kombilimousine zugelassen ist, ist aber länger, höher und breiter als sein Bruder vom VW-Konzern. Das spürt man auch und bringt ihm einige Vorteile.


Fahrgefühl

Auch bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn strahlt er die Sicherheit aus, die man eher von einem SUV der oberen Mittelklasse gewohnt ist. Im Gebirge, in Kurven und bei Steilstreckenfahrten wird der Kodiaq gerade bei schneebedeckter Fahrbahn, dank seines 4x4 Antriebs, aber  zum Bär, und ist dem Audi Q5 ebenbürtig. Auf normaler Fahrbahn gleitet er aufgrund seines Gewichtes sicher auf der Straße. Das ist möglich durch die „adaptive Dämpferreglung“ mit drei Modi (komfortabel bis sportlich), die auch größere Unebenheiten „egalisiert“. Die Lenkung ist leicht und direkt.

 

Unser Testfahrzeug war mit einigen Sonderausstattungen versehen, Serienmäßig gibt es aber bereits allerlei Assistenten, wie der „City-Notbremsassistent“, Fußgängererkennung, Abstands- und Kollisionswarner.  Diese sind für unser Klientel auch wichtig, wenn nicht sogar lebensnotwendig. Insgesamt gesehen wäre es ohnehin wünschenswert, wenn gerade solche Assistenzsysteme generell zur Grundausstattung eines jedes Autos gehören würde. Es geht um das Leben von Menschen. Insbesondere auch von älteren Menschen, die vermehrt im heutigen Straßenverkehr überfordert sind.

 

Fahrbericht


Wie bei allen unseren Tests absolvierten wir längere Fahrten auf  der Autobahn, steilen und kurvigen Bergstrecken, Stadtfahrten aber auch Landwege. Hier zeigt sich am besten, was ein SUV können muss, damit körperlich eingeschränkte Personen eine bequeme Fahrt haben. Alle Fahrten konnten einwandfrei und beschwerdefrei durchgeführt werden. Dies gilt auch für Behinderte auf dem Rücksitz, was keineswegs selbstverständlich ist. Lediglich in der Stadt wirkt der Kodiaq etwas behäbig.





Einstieg

Der Einbau von Fahrhilfen für Rollstuhlfahrer soll laut Werksangaben möglich sein und vom Vertragspartner Veigel ein und auch wieder, etwa bei einem Wiederverkauf, ausgebaut werden können. Getestet haben wir die Möglichkeit aber nicht, ebenso wenig wie Rollstuhlfahrer vom „Rolli“ in das Auto kommen. Sonstige gehbehinderte Personen oder Personen mit anderen Einschränkungen können problemlos, sowohl beim Fahrersitz, als auch Beifahrersitz einsteigen. Die hinteren Türen sind für Behinderte optimal und gut einzusteigen, da sie sich sehr weit öffnen lassen. So können auch Menschen mit mittleren Einschränkungen in das Fonds einsteigen, was sich bei der Version mit dem Panoramadach doppelt lohnt.


Sitzkomfort

Die Sitze vorn weisen eine hohe Qualität auf und sind auch bei weiten Fahrten behindertengeeignet. Sie sind elektrisch verstellbar. Die hinteren Sitze sind zwar auch recht komfortabel, der Mittelsitz dient unter anderem auch als komfortable Armlehne. Dennoch weisen sie nicht so viel Sitzkomfort auf wie die Vordersitze, weil sie nicht verstellbar sind. Dafür können sie aber ca. 20 cm nach hinten verschoben werden (im Testwagen wurde er so geliefert), sodass eine traumhafte, aber auch für das Klientel nötige Beinfreiheit entsteht. In dieser Ausführung wäre eine dritte Sitzreihe (etwa für Kinder) kaum zu empfehlen, was wir in unserem Test ja von vorne herein ausgeschlossen hatten. Eine solche Qualität konnte kaum ein anderes Fahrzeug in dieser Klasse aufweisen. Eben bärenstark.


Beweglichkeitsunterstützung

Das Fahrzeug weist für Behinderte genügend Griffe und Stützmöglichkeiten auf. Auch Stauflächen sind genügend vorhanden. Behinderte mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit aber auch ältere Menschen benötigen zunehmend Assistenzsysteme. Wie (Rückfahrkameras, Einparkhilfen, Spurhalteassistent etc.). Erfreulicherweise kann der Skoda Kodiaq über alle wichtigen Systeme vorweisen, die vorbildlich meist serienmäßig eingebaut wurden. Natürlich sind einige Systeme in noch besserer Qualität gegen Aufpreis erhältlich. Aber in Punkto Sicherheit hat der Skoda SUV doch einiges zu bieten.


Assistenzsysteme

Unter der Rubrik „Ausstattung“ haben wir die wichtigsten Systeme aufgeführt. Für ein Fahrzeug in dieser Klasse sind sie von hoher Qualität, Zuverlässig und leicht zu bedienen. Bei der Fülle der Systeme sei vor der Inbetriebnahme einige Minuten Eingewöhnung nötig.

 

Komfort

Skoda geizt nicht mit Komfort, Platz und Sicherheitsgefühl. Für unser Klientel gehört der Skoda Kodiaq zu einem Fahrzeug mit einem guten Preis Leistungsverhältnis.

 

Staufläche

Die Staufläche ist ein weiterer Pluspunkt beim Skoda. Will man keinen 7-Sitzer bietet sich ein riesiger Kofferraum an. Hier können theoretisch bis zu 4 gefaltete Rollstühle mit je einem Koffer gepackt werden.














Fazit:


Gesundheitliche Beurteilung:

Der Skoda Kodiaq ist aufgrund seiner Größe und Höhe ideal geeignet für Menschen mit folgenden gesundheitlichen Einschränkungen

      • starken Gehbehinderungen (G) (auch versteiften Gliedmaßen etc.)
      • chronischen inneren Erkrankungen und Behinderungen

        (Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Multiple Sklerose etc.

      • andere körperliche Behinderungen (z.B. Rheuma etc.)
      • Personen ab 65 Jahren, die aber aktiv am Verkehr teilnehmen
      • Fahrer ab 75 Jahren.

 

Der  Skoda Kodiaq ist nicht zuletzt auch aufgrund des Preis-Leistungsverhältnis ein Fahrzeug für Menschen mit eigeschränkter Mobilität, die sich einen gewissen Komfort wünschen und leisten können.

 

 

 

Der Skoda Kodiaq in der Übersicht:

Vorteile:

Geräumiges Platzangebot.

Sicheres Fahrverhalten

Behindertengerechter Gesamteindruck.

Gutes Preis-Leistungsverhältnis

Gute Federung in allen 3 Modi

Nachteile:

Wichtige Assistenzoptionen gegen Aufpreis

Ohne Assistenzsysteme schwierige Rundumsicht

Schwache Einstiegsmotorisierung

 Mäßige Rundumsicht.

 

Serienmässige Ausstattung

      • Adaptives Fahrwerk
      • Scheinwerfer Xenon/LED/Laser (wahlweise)
      • Abbiege-/Kurvenlicht
      • Regen-/Lichtsensor
      • Radio/CD/USB/DAB
      • Einparkhilfe vorn/hinten
      • Kopfairbag vorn/hinten
      • Knieairbag
      • Fahrer/Beifahrer Serie/-
      • Kollisionswarnung/Notbremssystem Serie
      • Fußgänger-/City-Notbremsfunktion
      • Bluetooth-Freisprecheinrichtung
      • Elektrische Fensterheber vorn/hinten
      • Klimaanlage manuell/automatisch
      • Abblendlicht. Innen-/Außenspiegel
      • Sitzheizung vorn/hinten Serie
      • Höheneinstellbarer Fahrer-/Beifahrersitz
      • Rücksitzlehne umklappbar

 

 

Sonstige Ausstattung (gegen Aufpreis)

      • Fernlichtassistent (Aufpreis)
      • Tempomat/Limiter/ACC (Aufpreis)
      • Parklenkassistent (Aufpreis)
      • Rückfahrkamera/360° Kamera (Aufpreis)
      • Head-Up-Display - Verkehrszeichenerkennung (im Paket) (Aufpreis)
      • Schlüsselloses Zugangssystem (Aufpreis)
      • Seitenairbag vorn/hinten Serie/Aufpreis
      • Spurassistent (im Paket; Aufpreis)
      • Spurwechselassistent (im Paket; Aufpreis)
      • Radio/CD/USB/DAB (je nach Ausstattung gegen Aufpreis)
      • Navigationssystem (Aufpreis)
      • Sitzheizung vorn/hinten Serie (je nach Ausstattung gegen Aufpreis)
      • Lenkradheizung (Aufpreis)
      • Anhängerkupplung (Aufpreis)
      • Metalliclackierung (Aufpreis)
      • Schiebedach/Panoramaglasdach

Aufpreis orientiert sich nach aktueller Preisliste

Preis

Den Skoda Kodiaq gibt es in der kleinsten Version ab 28.000 Euro.  Die derzeit beste Motorisierung mit 190 PS und zahlreichen Sonderausstattungen gibt es ab ca. 40.000 Euro. Eine stärkere RS-Version mit 240 PS und einer noch höheren Ausstattung  soll ab Januar 2019 erhältlich sein. Der Preis soll dann um die 50.000 Euro betragen. Offenbar will man sich damit in das Segment der oberen Mittelklasse positionieren.

 

Alle Fotos: Pascal Schöpflin





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