Healthcare

Schmerzen


Das Thema Schmerz nimmt bei uns einen wichtigen Platz ein, weil es so vielfältig ist. Welche Artikel wir zu diesem Thema bereits veröffentlichen können Sie unten ersehen.

Besonders das Thema " Cannabis als Schmerzmedikament",  haben wir  kritisch untersucht und diesbezüglich gleich mehrere kontrovers diskutierte Artikel veröffentlicht. Ausgang der Debatte: Offen, da auch 2020  Fakten derzeit noch fehlen.

Doch zunächst der neueste Bericht, den wir im Juli 2020 für das Magazin Paralife verfasst haben. 


Schmerzalarm- mit Schmerzen leben

von Bernhard Veith


Schmerzen gehören zum Menschen. Es gibt so viele unterschiedliche Schmerzarten, wie Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magenschmerzen, Schmerzen bei Krebs, Phantomschmerzen und viele mehr. Warum es all diese Schmerzen gibt, was sie für Körper. Seele und Geist bedeuten und was man dagegen tun kann, wollen wir hier kurz besprechen.


Es gibt immer noch viele gesunde Menschen, die nicht wissen was Schmerzen sind. Sie kennen zwar Schmerzen bei oberflächlichen Verletzungen, wie man sie im Alltag immer mal wieder erlebt. Sie erleben Abschieds/Verlust-Schmerz, der sie psychisch belastet. Manche „stehen“ sogar auf einem anderen Schmerz: Den Lustschmerz beim Liebesspiel“. Doch dieser hat nichts mit den Schmerzen zu tun, die eine Patienten „den Teufel im eigenen Laib“ nennt. Deshalb reagieren einige gesunde Menschen mit Unverständnis, wenn sie auf Patienten mit chronischen Schmerzen treffen. „Ich solle mich nicht so anstellen, ich sei doch nur wehleidig. Selbst mein Hausarzt nannte mich schmerzempfindlich, meinte aber dasselbe“, sagt Schmerzpatient Bernd B. Was sind also normale Schmerzen und was sind Schmerzen bei einer chronischen ernsthaften Erkrankung. In diesen Bericht teilen wir dies auf.


Schmerzen im Alltag

Lange Zeit galt es als Heldentat, Schmerzen ohne Medikamente so lange wie möglich aushalten zu können, als wolle man den Indianer der keinen Schmerz kannte überbieten. Doch der ist schon lange tot.  Heute gilt es die schnelle Beseitigung des Schmerzes mit den geeigneten Mitteln als die bequemste Lösung, denn Schmerzen kann sich heutige berufstätige Mensch nicht mehr leisten, wenn man erfolgreich in Arbeit, Sport und Spiel sein will. Die TV-Werbung macht es uns vor, („Für jedes Aua gibt es ein SOS“), egal ob da Zwillinge oder die ältere Damen nicht mehr tanzen oder Gassi gehen können. Es gibt ja Schmerzmedikamente, die schnell und unkompliziert helfen..


Frei verkäufliche Schmerzmittel (OTC)

Man nennt sie auch OTC-Wirkstoffe (Over the Counter), weil diese Medikamente hinter dem Apotheker im Regal auf ihren Käufer warten. Dabei gibt es unzählige Präparate in den unterschiedlichsten Formen mit nur 4 Grundwirkstoffe. Insgesamt 90 Millionen Packungen werden in Deutschland davon verkauft. Tendenz noch steigend, auch wenn es immer mehr Fachleute gibt, die diese Medikamente als frei verkäufliche Ware sehen. Schmerzmittel soll es nur noch gegen Rezept geben.

Der Wirkstoff Paracetamol wird bei leichten vorübergehenden akuten Schmerzen (Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Regelschmerzen) gegeben. Der Wirkstoff ist zuverlässig und gut verträglich, solange er als Monopräparat gegeben wird. Aber Paracetamol befindet sich außerdem in vielen Arzneimittel, in Kombination mit anderen Wirkstoffen, (z.B als „Grippemittel“ mit  Coffein, bei Niedergeschlagenheit,  mit Vitamin C gegen Immunschwäche oder mit dem aufhellenden Maleatsalz).

Diese Kombipräparate sind auch heftig umstritten, weil sie bei wiederholter Verwendung Suchteffekte und gefährliche Nebenwirkungen auslösen können, und gegen den Virus Grippe und den anderen grippalen Infekten als solche gar nicht wirken. Sie mindern allenfalls die Begleitbeschwerden. Mit einer Tablette Paracetamol und einem Glas Vitaminsaft erzielt man oft den ähnlichen Heileffekt, und spart dabei massiv Geld. Richtig gefährlich wird es aber, wenn man noch die medizinische Wirkung mit alkoholischen Getränken „verstärkt“. Dies kann zu massiven Komplikationen führen.


Bei leichten bis mäßigen akuten Schmerzen (siehe oben), aber auch bei akute Rückenschmerzen ins besondere bei rheumatischen Anfangsbeschwerden oder Morbus Bechterew, aber vor allem bei Fieber empfehlen Apotheker oft den Wirkstoff Ibuprofen, weil er schneller und besser wirksam ist als Paracetamol. Sie vergessen aber nicht, die Nebenwirkungen zu erwähnen, die dem Patienten bei längerer Einnahmen drohen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Sodbrennen, Bauchschmerzen.


Ein weiterer Wirkstoff ist Diclophenac, welcher in Salben und Sprays enthalten ist. Die Nebenwirkungen sind ähnlich. Diclophenac ist der Marktführer bei Schmerzen, die durch Unfälle in Haus und Garten verursacht werden. Eine Diclophenac-Salbe soll in keiner Hausapotheke fehlen.


Den ältesten Wirkstoff kann man auch zur Kategorie „pflanzliche Schmerzmittel“ zählen, denn er wird aus der Weidenrinde gewonnen: Acetylsalicilsäure (ASS). Unter dem Namen Aspirin ist er weltweit bekannt und wird auch bei anderen Beschwerden weltweit verwendet, weil er auch das Blut verdünnt.


Und die pflanzlichen Schmerzmittel?

Neben Acetylsalicilsäure (ASS), gehören auch  Nelke (Zahnschmerzen) oder Teufelskralle-Extrakt  in hoher Konzentration, zu den OTC-Schmerzmedikamenten. Trotz der hohen Wirkstoffkonzentration sind diese Präparate aber eher schwach wirksam, aber mit  ähnlichen Nebenwirkungen versehen: Aus diesem Grunde müssen nun alle OTC-Präparate folgende Warnhinweise enthalten:

 "Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!"

 

Akute und chronische Schmerzen bei Erkrankungen

„Der Schmerz hat mich und mein Wesen verändert, Bei auftretenden Koliken könnte ich laut schreien. Es gibt Tage, da kann ich nur noch weinend im Bett liegen und warten bis alles vorbei ist, ein klares Denken ist nicht möglich. da empfinde ich schon die tröstende Berührung oder sogar eine laute Stimme als stechender Schmerz, bin depressiv, weil ich keine Hoffnung mehr sehe.


Wenn Schmerzen „denken“ – Das Schmerzgedächtnis

Denn der chronische Schmerz bleibt ja, „ weiß der chronische Schmerzpatient, der sich seit über 10 Jahren damit „herumquälen“ muss. Als Ursache des chronischen Schmerzes kann man das „Schmerzgedächtnis“ sehen.  Denn alle Schmerzen hinterlassen „Spuren“, die im Hirn oder auch im Rückenmark „gespeichert“ werden. Wenn Schmerzen immer wieder auftreten kann das „Schmerzgedächtnis“ sofort erkennen, woher die Schmerzen kommen. So entstehen dann chronische Schmerzen.

Schon vereinzelt auftretende akute Kopf-, Zahn- oder andere Organschmerzen, können Vorboten einer chronischen Erkrankung sein. Auch sie haben die Signalfunktion, dass „etwas im Körper nicht stimmt“. Deswegen sollten alle Schmerzen, die länger auftreten, von Arzt abgeklärt werden bevor sie vom Schmerzgedächtnis chronisch eingestuft werden. Denn das Schmerzgedächtnis kann sich auch irren, und meldet Schmerzen die faktisch gar nicht mehr vorhanden sind. .

 

Erkrankungen mit chronischen Schmerzen:

Aber es gibt auch Schmerzen, deren Ursachen nicht immer geklärt werden können, oder auch Schmerzen, die eine dauernde Erkrankung begleiten, chronisch eben:

  • Degenerative Gelenkserkrankung
  • Osteoporose
  • Rheumatische Erkrankungen;(rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen, u.a.)
  • Neurologische Erkrankungen (Polyneuropathie (PNP), Parkinson, multiple Sklerose, Epilepsie etc.)
  • Autoimmunerkrankungen( wie Gastritis, Colitis ulcerosa, Diabetes Typ 1, Dermatitis, Morbus Crohn, Morbus Bechterew, etc.
  • Begleitschmerzen bei allen Krebsarten
  • Phantomschmerzen, nach Verlust von Körperteile

Der chronische Schmerzpatient gehört zu den unbequemsten Patienten in der Arztpraxis, weil die Schmerzen nur schlecht gelindert werden können und jede veränderte Medikation wieder neue, bisher unbekannte Folgen mit sich bringen können. „Wir erleben ihn als jemanden, der völlig auf seine Erkrankung fixiert ist. Er leidet und seine gesamte Familie mit ihm, ohne dass er dies will oder ihm bewusst wäre“, weiß der Schmerztherapeut Dr. med. Michael Stiehl, Chefarzt der Vamed Klinik Bad Berleburg. Die Ärzte untersuchen Patienten sorgfältig, aber mitunter scheinen wir ihre Sprache oder Signale nicht richtig zu verstehen“, meint der Schmerzspezialist. Aber wenn keine Diagnose gestellt werden kann, würden die Patienten zu den Fachärzten überwiesen.  Finden diese auch nichts, kann nach deren Sicht oft nur psychosomatische Schmerzen angenommen werden. „Da fühlt man sich leicht als eingebildeter „Psycho-Kranke“ abgestempelt,“ klagt die Patientin Beate Sch.. Aber die Schmerzen bleiben, und mit den Folgen wird er alleine gelassen. Sie betreffen aber seine Zukunft. Mit folgenden „Begleiterscheinungen“ hat der Schmerzpatient zu kämpfen:

  • Schlafstörung und Müdigkeit
  • Gereiztheit
  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Zwangsweise Aktivitätsminderung
  • Familiäre Konflikte
  • Intensivere Depressionen
  • Berufliche (schulische) Überforderung
  • Berufsunfähigkeit

Gerade die Berufsunfähigkeit mit den finanziellen „Nachwirkungen“, wie Arbeits und Wohnungsverlust spielt nach Angaben im Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes eine zunehmende Rolle. Die Zahl der „chronisch kranken Menschen“ die unter die Armutsgrenze fielen, hat demnach dramatisch zugenommen.

Dabei würde es schon helfen den Patienten ernst zu nehmen. „Wir müssen dem Patienten seine Schmerzen einfach glauben, und danach eine Therapie aufbauen“ sieht auch Dr. Stiehl in einem Gespräch mit unserem Autor. Der erfahrene Schmerztherapeut sieht „Instrumente“, wie z.B. ein Schmerztagebuch, (zur Dokumentierung des Schmerzes) die Anwendung einer Schmerzskala (von 0-10), die die Schmerzen für Arzt und Patient „sichtbar“ machen soll, aber auch einen „Schmerzfragebogen“, in dem

  • Schmerzort („Wo schmerzt es?“),
  • Schmerzstärke,
  • Schmerzqualität („Wie empfindlich tut es weh?),
  • Schmerzverlauf
  • mögliche Schmerzursache

hinterfragt werden, als empfehlenswert an. Doch in den letzten Jahren hat sich auch die Schmerztherapie verändert. Es gibt jetzt Zentren, die sich auf die Schmerzen bei weiteren Erkrankungen spezialisiert haben.

 

Interdisziplinäre Schmerztherapie

Bei den meisten Schmerzpatienten gibt es nämlich auch eine chronische „Haupterkrankung“. Es gibt interdisziplinäre Schmerzzentren u.a. auch als Tagesklinik, die den Schmerz zusammen mit den anderen Erkrankungen ganzheitlich betreuen. Eine solche Therapie ist indiziert:

  • Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule
  • Kopf und Gesichtsschmerzen (Migräne unterschiedlicher Aura, u.a.)
  • Neuropatische Schmerzen (darunter Herpes Zoster, Stumpf- und Phantomschmerzen u.a.)
  • Sonstige chronische Schmerzen (Tumorleiden, Osteoporose etc.).

Liegen eine dieser Beschwerden vor, wird in der interdisziplinären Schmerztherapie unter Berücksichtigung verschiedener Diagnosen (Einbeziehung von Physiotherapie, Psychologie, Röntgen oder andere bildgebenden Maßgaben ein Gesamtbild erstellt. Bei der interdisziplinären  Schmerz-Therapie, werden alle Erkrankungsformen berücksichtigt und so gewichtet, dass eine für die persönliche Situation des Patienten geeignete Therapie möglich ist. Dies kann mit einem weiterem Besuch in der Tagesklinik beginnen und in einer mehrwöchigen multimodalen Schmerztherapie weiter geführt werden. Die Dauer variiert dabei, je nach Zustand des Patienten.


Die multimodale Schmerz-Therapie

Sie ist die modernste, wissenschaftlich fundierte Therapieform zur Behandlung von chronischen Schmerzzuständen. Grundlage dieser Therapieform ist im Gegensatz zu anderen Therapien das Verständnis von chronischem Schmerz als eigenständige Krankheit unter Einbeziehung anderer Beschwerden.

Das interdisziplinäre Behandlungsteam (Schmerztherapie, Physiotherapie, Psychotherapie) besteht aus speziell dafür aus gebildetem Fachpersonal. Therapien wie Akupunktur, Balneo- oder Physiotherapien können dazu beitragen, den Körper zu erhalten oder die Ursache der Schmerzen zu erkennen. Unverzichtbar ist hier auch die neurologische und psychische Komponente, die eine wertvolle Hilfe zur oftmals notwendigen Neuorientierung des Lebensstiles (Arbeit, Ernährung, Familienprobleme, Freizeitverhalten) sein kann.

Alle  Vertreter der unterschiedlichsten Disziplinen treffen sich regelmäßig in interdisziplinären Teambesprechungen, in der eine integrative Beurteilung des Therapieverlaufs und eine jeweilige Abstimmung der einzelnen Therapeuten und Therapieformen stattfindet.


Eine multimodale Schmerztherapie ist bei Patientinnen und Patienten mit folgenden Problembereichen angezeigt:

  • Chronische Schmerzerkrankung
  • Mangelnder Erfolg bisheriger ambulanter Maßnahmen
  • Medikamentenabhängigkeit oder -fehlgebrauch
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität und der Arbeitsfähigkeit
  • Psychosoziale Beeinträchtigung
  • Gravierende psychische Begleiterkrankung
  • Gravierende somatische Begleiterkrankung

Diese Therapieform ist nicht unumstritten. Patienten  die sich in Punkto Schmerz in der oberen Skala bewegten, aber bisher als chronischer Schmerzpatient kaum bekannt waren,  profitieren von dieser Therapie am meisten. Ansonsten gaben Auswertungen neuer Studien bislang kein einheitliches Bild, wonach die Multimodale Therapie erfolgreicher sei als andere. Insbesondere bei berufstätigen Personen mit chronischen Schmerzen , nahmen die Krankmeldungen kaum ab. Es rät sich daher, dass sich Schmerzpatient und Hausarzt bzw. Schmerztherapeut absprechen, welche Schmerztherapie am geeignetsten erscheint.

 

Medikamentöse Therapie

Manchmal sind auch klinische Therapien nicht nötig, sodass auch die reine medikamentöse Therapie indiziert ist. In den letzten Jahren  kam man vom lange Zeit gültigen WHO-Stufenschema ab. Zwar gibt der Arzt bei leichten bis mäßigen Schmerzen immer noch die sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), die sich ja auch bewährt haben. Leider verursachen sie aber viele Nebenwirkungen. Sind diese nicht ausreichend, werden Opioiden dann gegeben, wenn erkennbar ist, dass die chronische Erkrankung „qualitativ“ fortschreitet. Bei chronischen Schmerzen gibt man seit einiger Zeit auch gering dosierte „transdermale Pflaster“ die nicht unumstritten sind, weil schon eine geringe Abweichung der Dosierung erhebliche Komplikationen (entzugsähnliche Erscheinungen) bringen kann. Die Anwendungszeit muss exakt eingehalten werden.

Wenn die Schmerzen stärker werden, muss die Dosis dieser Medikamente erhöht werden, ohne neue Nebenwirkungen zu befürchten. Morphinen wirken übrigens nur bei Schmerzen für die sie verschrieben wurden. „Normale Schmerzen (wie Zahnschmerzen etc.), sollte man zusätzlich mit den betreffenden Medikamenten, oder alternative Mittel bekämpfen.

Morphinen sind in der Onkologie und in der Palliativtherapie unentbehrlich. Hier ist allerdings die Überwachung der Medikation extrem wichtig. Ein abruptes umstellen oder abzusetzen, kann zu massiven Komplikationen führen.

Schmerzen

















 

Cannabis als „alternative Schmerz-Medizin“

Das Thema Cannabis wurde in einem anderen  Artikel ausführlich behandelt, deshalb soll hier nur kurz eingegangen werden. Die Bundesregierung hat Cannabis-Wirkstoffe nur unter Auflagen als mögliche Alternative herkömmlicher Schmerzmedikamente zur Kostenübernahme durch die Kassen empfohlen. Dann nämlich wenn dem Patienten kein anderes Medikament weiter hilft. Tatsächlich haben nach anfänglichen massiver Nachfrage auf Cannabis-Präparate 30% der Patienten davon wieder Abstand genommen. Wie die Entwicklung weiter geht ist aber noch nicht entschieden. Die Bundesregierung hat die Begleitstudie noch nicht abgeschlossen.


Patienten mit Phantomschmerzen

Als Anni Benjamin. in ihrer rechten Brust ein „Zucken und Ziehen spürte“ erfuhr sie in einer Untersuchung das sie das BRCA1-Gen in sich hatte. Leider waren die Ergebnisse positiv, es wurde ein Mamma-CA (Brustkrebs) festgestellt. Eine Mastektomie beider Brüste rettete vermutlich ihr Leben. „Es ist schon komisch, aber ich spüre in den Brüsten immer noch ein Zucken und Ziehen, als seien sie noch da, wie früher, obwohl sie ja entfernt wurden“, spricht Anni über ihre Phantomschmerzen. Warum wird hier ausgerechnet ein eher untypisches Beispiel genannt? Weil von Phantomschmerzen nach einer Mastektomie man relativ wenig erfahren hat. Dabei sind die Schmerzen oder andere Reaktionen typisch für alle Amputationen. Grund genug, sie hier als Beispiel einer Amputation aufzuführen. Früher ging man davon aus, daß Schmerzen verlorener Gliedmaßen oder Körperteile reine Einbildung seien. Heute weiß man, dass für diese Schmerzen (grob vereinfacht) ein Teil der Gehirnrinde zuständig ist. Dort werden die „Empfindungsbotschaften“ des ehemaligen Körperteils immer noch abgebildet, die Schmerzen also noch ganz real empfunden. Durch diese Tatsache kann man diese Schmerzen mit denselben Medikamenten behandeln, als seien die Gliedmaßen noch vorhanden. Doch anders als bei den herkömmlichen chronischen Schmerzen gibt es andere Ansätze zur Therapie. Man versucht daher, grob vereinfacht, die Hirnregion „umzuorganisieren“. Folgende vier Verfahren werden derzeit angewandt, oder erprobt:·     


Myoelektrische Prothese: Durch Tragen dieser Prothese wird die angeschlagene Hirnregion wieder reaktiviert, so dass kein Schmerz mehr empfunden wird. ·     


Sensorische Wahrnehmungstraining: Dabei wird die Reizung des Stumpfes mit bewusster Wahrnehmung kombiniert, was die „Umbauprozesse“ günstig beeinflusst·     


VR-Therapy (Virtuell Reality): Der amerikanische US- Professor Skip Rizzo hat ein VR-Computerprogramm entwickelt, welches ursprünglich für Soldaten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTB) gedacht war. Es soll für Amputierte weiter entwickelt werden. So sehen sich die Patienten in der VR-Brille mit allen Gliedmaßen wieder, das Gehirn sendet „Entwarnung“, also keine Schmerzbotschaft mehr. Ähnliche Systeme werden auch in Deutschland und in der Schweiz erforscht, und soll das Training für das Tragen von Prothesen erleichtern.·


Spiegeltherapie: Im Grunde dasselbe Prinzip wie die VR-Therapy, nur wird hier die noch intakten Gliedmassen reflexiert, gespiegelt und so dem Hirn ebenso „Schmerz-Entwarnung“ gegeben, der Schmerz verringert sich.Welche diese Therapie für den einzelnen Patienten die richtige ist, muss der behandelnde Arzt herausfinden. Schlussendlich führen alle diese Therapien dazu, dass der Patient sich mit seiner Situation anfreundet und die jeweiligen Prothesen annimmt. Denn nur eine positive Einstellung zur Amputation und den einhergehenden Veränderungen am eigenen Körper fördert und beeinflusst den Heilungsprozess.Medikamentöse Schmerztherapien bei PhantomschmerzAuch hier findet die Schmerzskala und die empfohlenen Medikamente und Dosierung Anwendung. In diesem Falle wird aber zur Verstärkung wie bei anderen schweren chronischen Erkrankungen die Gabe von unterstützenden Antidepressiva empfohlen.

Im Falle unserer Anni, die nach der Mastektomie sich auch einer Chemotherapie unterziehen musste, waren diese dringend erforderlich. Anni führt mittlerweile, auch dank der Hilfe ihres Mannes, wieder ein ganz normales Eheleben und arbeitet mittlerweile wieder als Dozentin.


Exkurs:

Schmerzmittel und Sucht

In den USA ist der Missbrauch von Schmerzmittel schon lange ein großes Problem, weil man in den Drogerien und Stores nicht nur leichtere Schmerzmittel  frei kaufen kann. Auch härtere Medikamente bekommt man dort relativ einfach in einer rundum verglasten Theke. Apotheken, wie dies in Europa der Falls ist gibt es dort nicht. Warnungen? Fehlanzeige. Gerade der Wirkstoff Oxicontin gehörte in den USA zu den „Leader“ im Schmerzmittelmarkt. Zwar versuchte der damalige Präsident Obama Medikamente die Opioide strenger zu regulieren, sein Nachfolger hob diese Einschränkungen aber wieder auf, so dass die heutige Sucht-Situation ungeahnte Ausmaße angenommen hat. Oxycontin generierte kräftige Milliardenumsätze. In einem Interview welches der Autor dieses Berichtes im Sommer 2010 mit dem Präsident des Oxycontin Herstellers, Richard Sackler, führte, äußerte sich dieser eher belustigt, als sei seine Medikamente Schokoladen-Pillen. „Klar ist es ein Opioid, aber ein gutes. Die Menschen lieben es und wir auch, denn es vertrieb uns jegliche finanzielle Sorgen“. Zu diesem Zeitpunkt gab es  bereits zehntausende „Oxy-Süchtige“ und hunderte Tote als Folge. Oxycontin wirkt doppelt so stark wie Morphin HCI und macht bei falscher Einnahme süchtig. Daher ist eine ärztliche Kontrolle unbedingt wichtig. Durch geschicktes Marketing gehörte es zu den meistverkauften Schmerzmittel in den USA mit der Folge, dass durch die unterlassene Informationen die Oxycontin-Sucht ein gesellschaftliches Problem wurde. Auch in Deutschland wurde Oxycontin als Oxycodon ab 2002 eingesetzt und ist immer noch als stärkstes Schmerzmittel in der Krebs-Therapie unverzichtbar (Quelle: „Der Tumorschmerzpatient in der Praxis; 2002 M.Stiehl, Hrsg. B.Veith). Es ist ein BTM-Medikament und wird entsprechend strengstens reglementiert. Ein Suchtproblem ist in Deutschland aufgrund der BTM Regelung nicht entstanden.


Natürlich ist man in Deutschland von den nordamerikanischen Verhältnissen zum Glück weit entfernt. Trotzdem greifen viele  Menschen  zu den frei verkäuflichen Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Gerade Sportler (ob Hobby-oder Berufssportler ist in dieser Hinsicht zweitrangig) in Kampfdisziplinen wie Fußball oder Handball um nur zwei zu nennen, aber auch Leichtathleten fühlen sich dadurch freier. Die Pillen dafür werden bei den Profis meist von Betreuer auf dem Schwarzmarkt oder per Internet besorgt, denn in den Apotheken ist man gehalten nur kleinere Packungen zu verkaufen. Diese Praxis ist längst auch im Amateurbereich gängig, denn dort sind die Kämpfe noch intensiver. Selbst im Graubereich unserer Gesellschaft sind Schmerzmittel beliebt und nötig. Pornodarstellerinnen oder Prostituierte können ohne Schmerzmittel diese harte Strapazen um ihren Körper kaum ertragen. Auch wenn es sich auch als OTC-Medikament bewährte, gehört Ibuprofen auch noch zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmer /Antirheumatika (NSAR). Diese werden auch im Rahmen einer Schmerztherapie gegeben.




Wie immer stellen wir den ursprünglichen Text, den veröffentlichten und unterschiedlich akzentuierten Artikel gegenüber. 

Hier gehts zu "medizinisches Cannabis 2019 - ein Zwischenbericht:"

Hier  gehts zu "Cannabis -Glaubenskrieg ohne Fakten"

Hier  gehts zu "Mit Schmerzen leben"

Hier gehts zu "Schmerz lass nach"



Und wenn Ihnen das noch nicht reicht, hier noch Artikel aus anderen medizinischen Bereichen.


Gynäkologie hier

Palliativmedizin hier

Pflege und Behinderung hier

Psychologie hier

Schmerz hier

Onkologie hier


Skala 1-4

Skala 5-7 dauerhaft

Skala 8-10  dauerhaft

leichte bis mässige Schmerzen

starke Schmerzen

sehr starke Schmerzen

Paracetanol

Metamizol (Novaminsulfon)

Morphin

Ibuprofen

Codein

Buprenorphin

Diclofenac

Dihydrocodein

Levomethadon

ASS

Tilidin und Naloxon

Fentanyl  (transdermal)


Tramadol

Oxycodon










Wir haben wieder die 20.000 Leser-Marke erreicht. Vielen Dank

Mitglied im